News Januar 2015

Ja zum freien Warenverkehr. Nein zur Aufgabe der eigenen Identität. 



In der aktuellen Diskussion um das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP verweisen die Schwarzwälder Schinkenhersteller auf die Bedeutung des europäischen Schutzes für traditionelle Lebensmittel  

 

Es war der Aufreger kurz nach dem Silvesterfeuerwerk. Was wird aus unserem Schwarzwälder Schinken, sollte er jetzt auch in den USA hergestellt werden? Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP, weitläufig und vielfach freihändig kommentiert, schien dunkle Schatten vorauszuwerfen.

 

Der Schutzverband der Schwarzwälder Schinkenhersteller sieht dies mit Gelassenheit - sich seiner Tradition und der hohen Qualität seiner europäischen Spezialität wohl bewusst.

 

Schwarzwälder Schinken ist in aller Munde. In den Medien ist zu lesen, er sei doch mehr als nur ein Schinken, er sei Heimat, stehe für Ehrlichkeit und Genuss und lasse den Duft von Tannen und frischer Luft quasi auf der Zunge zergehen.

 

Ohne Zweifel ist Schwarzwälder Schinken unverzichtbarer Teil der deutschen wie der europäischen Essens- und Genusskultur. Diese Spezialität, entstanden aus der bäuerlichen Hausschlachtung im Schwarzwald, konnte die Märkte erobern, auch weil er authentisch geblieben ist. Für diese Authentizität steht der EU-Schutz, im Fall von Schwarzwälder Schinken der g.g.A.

 

Geschützte geografische Angabe bedeutet, dass der Schinken ausschließlich in der definierten Region Schwarzwald hergestellt werden muss – und dies nach ebenfalls definiertem traditionellem Herstellungsverfahren. Dieses umfasst kurz gesagt: Einsalzen. Würzen. Ruhen in der sog. Mutterlake. Reifen. „Brennen“. Reifen. Räuchern über heimischem Nadelholz. Reifen. Fertig. Alles in allem ein Prozess über mehrere Wochen.

Das Schwein kommt nicht – oder nur in wenigen Fällen – aus dem Schwarzwald. Woher da auch? Kein Platz. Viel Platz hingegen ist in Norddeutschland, wo eben traditionell Schweine gezüchtet werden. Und geschlachtet, damit nur die Keulen ihren Weg in den Schwarzwald antreten. Über 90 Prozent des „Rohstoffes“ kommen aus Deutschland. Qualität garantiert.     

 

In den EU-Statuten wie auch in denen des Schutzverbandes der Schwarzwälder Schinkenhersteller, gegründet bereits 1989, ist verankert, dass die Wahrung des Herstellungsverfahrens in der Region oberste Priorität hat.

 

„Gegen eine Aushebelung des europäischen Lebensmittelstandards, wie er im EU-Schutz zum Ausdruck kommt, werden wir uns massiv zur Wehr setzen“, so verlautet es aus dem Kreis der Hersteller. „Wir sind selbstverständlich für freien Warenverkehr – auch und gerade mit den USA. Dieser hat jedoch keine Zukunft, wenn wir die Identität unserer Spezialität verlieren und damit die Glaubwürdigkeit gegenüber Handel und Verbraucher. Was wäre das wohl für ein Schwarzwälder Schinken? Wer kontrolliert seine Qualität? Wer kontrolliert das authentische Herstellungsverfahren? Schwarzwälder Schinken ist eine Spezialität der Region. Basierend auf der Erfahrung ihrer Menschen und der Tradition. Verankert in der Topographie. Nicht zu kopieren. Der EU-Schutz schützt nicht nur den Schwarzwälder Schinken. Er schützt auch das Recht der Verbraucher auf ein ehrliches Lebensmittel.“

 

„Wir haben nicht vereinbart, dass der Schutz unserer geographischer Angaben in Europa vermindert wird“, wird ein Sprecher der zuständigen EU Kommission zitiert.



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